JUSTUS Wiesbaden e.V.
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Theater auf Rezept


Gemeinsam mit Wiesbadener Kinderärzten (u. a. Änne Thiel und Brigitte Schranz, PAEDnetz Wiesbaden) und dem Verein JUSTUS e.V. beteiligt sich das Junge Staatstheater unter der Leitung von Stefan Schletter und Oliver Wronka am Projekt "Theater auf Rezept".

 

Warum "auf rezept"? Viele Studien belegen, dass eine gelungene Teilhabe an Kultur eine wichtige Bedingung nicht nur für die seelische, sondern auch für die körperliche Gesundheit ist. Das Motto "Theater auf Rezept" verweist auf diesen Zusammenhang von Kulturteilhabe und Gesundheit. Gerade in unserem medialen Zeitalter bietet die Lebendigkeit, wie sie auf der Bühne existiert, reale Identifikationsmöglichkeiten. Kinder und Jugendliche können Gedanken und Gefühle der Darsteller miterleben, sich darin spiegeln. Sie können in eine lebendige Beziehung mit den Protagonisten auf der Bühne treten, wie sie im virtuellen Raum der Sozialen Medien nicht möglich ist.

 

Praktisch sieht „Theater auf Rezept“ folgendermaßen aus: Kinder und Jugendliche, die zu einer Untersuchung kommen, erhalten von ihrem Arzt einen Gutschein für einen Theaterbesuch mit einer Begleitperson. Dabei entscheidet der Kinderarzt, welches Kind, welcher Jugendliche eines Theaterbesuchs „bedarf“. Organisierte Besuche in Begleitung der Kinderärzte sind in Planung. Die Gutscheine können dann an der Kasse des Hessischen Staatstheaters eingelöst werden.

 

Das Angebot gilt ab sofort und für alle Vorstellungen des Jungen Staatstheaters im Studio. Geplant ist eine Erweiterung des Angebots auf alle Vorstellungen des Hessischen Staatstheaters und auf Museumsbesuche.

 

Zusätzliche Informationen:

 

Wozu noch Theater in einer Welt, in der die Kinder mit vorgefertigten, allseits verfügbaren Bildern der medialen Welt überflutet werden? Forschungsergebnisse der modernen Säuglings- und Kleinkinderbeobachtung zeigen, dass die seelische und geistige entwicklung von Kindern entscheidend vom Kontakt mit lebenden Bezugspersonen abhängt. Sprache vom Tonband aktiviert nur einen Bruchteil der Hirnstrukturen von Säuglingen im Vergleich zur von der Mutter leibhaftig gesprochenen Sprache. Und Theater ist lebendige Begegnung mit lebenden Menschen auf der Bühne, mit denen der jugendliche Zuschauer sich identifizieren kann, die er lieben oder hassen, auf die er seine Hoffnungen und wünsche übertragen oder in denen er sich spiegeln kann.

 

Theater ist die Wirklichkeit, die die Welt "bedeutet". Das heißt, im Theater kann man Erfahrungen mit der Welt machen, ohne Gefahr zu laufen, von der Realität so in Beschlag genommen zu werden, dass kein Spielraum für die eigene innere Welt mehr bleibt. Im Theater entsteht ein phantastischer Raum zwischen dem geschehen auf der Bühne und der Innerlichkeit des Zuschauers. Es ist der Raum der Träumerei, der Phantasie, der Gedanken, die die Welt in neuen Perspektiven erscheinen lassen. Winnicot, ein englischer Kinderarzt nannte diesen Raum zwischen der Wirklichkeit und der inneren Realität, in dem ein Dialog stattfindet, treffend den "potentiellen Raum". Das Geschehen auf der Bühne ist Realität und Phantasie (Märchen) zugleich. Theater ist die Fortsetzung dessen, was Kinder machen, wenn sie Vater und Mutter, König und Königin, Prinzessin und Königsohn, Teufel und hexe usw. spielen. Sie sind es und sind es doch nicht. Das ist die kreative Fähigkeit des Kindes, die Realität zur Bühne zu machen und im Spiel die Welt neu zu erfinden. Zwischen der Bühne und dem Zuschauer entsteht eine neue Realität, das ist das, was wir Kultur nennen.

 

In diesem Sinne bedeutet Theater für Kinder und Jugendliche Einbindung und Teilhabe an der Kultur, verstanden nicht als Fixierung auf eine "Leitkultur" sondern als lebendige auseinandersetzung mit den vielfachen Spektren von Kultur. Die kulturelle Vielfalt hat sich durch die Zuwanderung von Menschen aus anderen Ländern noch wesentlich erweitert. Zu Recht meinte Arthur Miller, dass das Theater "Herz und Verstand einer Gesellschaft" ist. "Herz und Verstand", das ist auch die Chance für ein fruchtbares Respektieren der Andersheit. Wer – aus welchen Gründen auch immer – nicht teilhat an "Herz und Verstand der Gesellschaft", gerät in Gefahr, orientierungslos in gesellschaftsferne Bereiche abzudriften, die wenig mit Kultur zu tun haben oder gar dissoziale Tendenzen begünstigen. Es gibt immer mehr Kinder und Jugendliche, die nicht durch das Elternhaus an Kultur herangeführt werden.

 

Nicht erst seit den Erkenntnissen der modernen Hirnphysiologie wissen Pädagogen, dass soziales und emotional beteiligtes Lernen, also lernen zusammen mit anderen, das effektivste und nachhaltigste Lernen ist. Nicht nur selbst Theaterspielen, auch das aktive Zuschauen ist ein aktiver und hoch emotional besetzter Vorgang.

 

Man könnte noch viele gründe aufzählen, warum Kinder und Jugendliche – und nicht nur diese – er Theater brauchen. Kultur ist kein Luxus für begüterte Gesellschaftsschichten, sondern überhaupt erst Voraussetzung für ein menschliches und gedeihliches Zusammenleben.

Kontakt:

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